Jüdischer Friedhof

Friedhöfe werden in der jüdischen Kultur mit mehreren Namen benannt. Auf hebräisch heißt die Begräbnisstätte „bejt olam": Haus der Ewigkeit. Eine weitere Bezeichnung lautet: Guter Ort. Die Grabsteine der jüdischen Friedhöfe am Niederrhein stammen zumeist aus dem frühen 19. Jahrhundert und reichen bis in die 1930er Jahre. Der Nationalsozialismus hat auch die Begräbniskultur der jüdischen Gemeinden vernichtet. Die Grabsteine wurden so zu steinernen Zeugnissen des jüdischen Lebens am Niederrhein bis zum Völkermord. Der jüdische Friedhof in Kalkar ist in einer Urkunde aus dem Jahr 1805 verzeichnet; das Grundstück wird von der ehemaligen Stadtmauer begrenzt, der Friedhof umfasst 59 Grabsteine. Der älteste erhaltene Grabstein datiert aus dem Jahr 1868 (Adelgunde Spier). Ältere Grabsteine sind nicht mehr erhalten. Eine kleine Grabplatte erinnert an Erich Spier, der wenige Wochen nach den Pogromen am 28. Dezember 1938 in Dachau ermordet wurde. Im Jahre 1969 - drei Jahre nach einer nicht aufgeklärten Schändung des Jüdischen Friedhofs - erfolgte als jüngste Bestattung die von Bernhard Piczenik, der im Kalkarer Josefshaus verstarb. Der jüdische Friedhof ist stets zugänglich und wird als städtischer Erinnerungsort gepflegt und besucht.

Jüdischer Friedhof Kalkar um 1939
Das Foto zeigt den Jüdischen Friedhof um 1939. Die Gestaltung, Formensprache und Motivauswahl sind typisch für die Friedhöfe der jüdischen Landgemeinden. Die Motive beschränken sich auf den Davidstern, segnende Hände und Schmetterlinge. Die Inschriften folgen einem Grundschema. Eingeleitet von der Kopfformel „Hier ist begraben", schließen sich die Lobrede (Eulogie), die Namensnennung und die Lebensdaten an. Der Segen „Ihre/Seine Seele sei eingebunden in das Bündel des Lebens" steht am Ende der Inschrift.
Foto: Andreas Isaac, 1939